Akwaaba e.V. – Medizinische Nothilfe in Ghana

Kasoa Polyclinic

24.01.2025

Reisebericht aus Ghana: Herausforderungen und Chancen für Akwaaba e.V.

Es gibt Reisen, die laufen nach Plan – und dann gibt es Reisen wie diese. Ursprünglich war unsere Reise nach Ghana für den 02. Januar geplant. Auf dem Weg vom Konsulat zu mir Nachhause ging mein Reisepass während des Postwegs verloren. Es war Weihnachten, die Behörden hatten zu, und es war schlichtweg unmöglich, eine Lösung zu finden. Ein schlechtes Timing, könnte man sagen. Mein Flug musste auf den 09. Januar umgebucht werden, ohne zu wissen, ob ich überhaupt rechtzeitig einen Ersatzpass und Visum bekommen würde. In letzter Minute bekam ich einen Notfallreisepass und ein Visum in Hamburg – alles auf den letzten Drücker, aber immerhin mit Erfolg!

Die Reise nach Brüssel begann mit einem Schneesturm, der mich zunehmend besorgter stimmte. Am Flughafen angekommen, wurden wir zwar sicher abgefertigt, aber die komplette Landebahn war bereits weiß – und es hörte nicht auf zu schneien. Einige Flüge wurden abgesagt, und wir mussten uns darauf einstellen, dass wir möglicherweise nicht starten würden. Doch schließlich starteten wir, nach zwei Stunden Enteisung des Flugzeugs, in einen ruhigen Flug. Das Abenteuer ging weiter.

Unser Umstieg in Addis Abeba, Äthiopien, war aufgrund der Verspätung alles andere als entspannt. Wir verpassten unseren Anschlussflug nach Accra und standen mitten in der Nacht im Addis Abeba Flughafen – mit einer Hotelübernachtung, die uns als Entschädigung angeboten wurde. So verbrachten wir den nächsten Tag in Addis, wo wir – trotz der vielen Umstände – die Gelegenheit hatten, die Stadt zu erkunden und ein wenig von der äthiopischen Kultur zu erleben, wie ein frisch zubereiteter traditioneller Kaffee.

Nach einem langen Tag, vielen Eindrücken und einem verpassten Flug waren wir endlich um 6 Uhr morgens in Accra. Doch das Chaos nahm seinen Lauf: Unsere Koffer waren in Äthiopien hängen geblieben. Mittlerweile haben wir über die Situation gelacht. Aber an dieser Stelle konnten wir uns nur mit dem zu helfen wissen, was wir hatten – und es war klar, dass wir eine Reise voller Überraschungen vor uns hatten.

Erst am nächsten Tag konnten wir uns halbwegs erholen und begannen, unsere eigentlichen Ziele in Ghana anzugehen. Mein ursprünglicher Plan war es, Schulungen und medizinische Untersuchungen für über 1000 Kinder an drei Schulen durchzuführen. Doch durch die Verzögerungen mussten wir den Plan umstellen. Stattdessen nutzten wir die Zeit, um das Konzept weiterzuentwickeln, Gespräche zu führen und neue Kontakte zu knüpfen.

Während unseres Aufenthalts wollten wir uns verschiedene Kliniken in Kasoa anschauen, und so hatten wir uns einige Einrichtungen in der Region ausgesucht. So landeten wir zufällig in der Bethel Clinic. Dr. Prince, ein junger und engagierter Arzt, zeigte uns die Klinik, die unter extremen Bedingungen arbeitet – so fehlte es an so gut wie allem: Nahtmaterialien, Notfallmedikamenten und sogar an grundlegenden Geräten wie einem Defibrillator. Was wir jedoch fanden, war ein Arzt, der sich leidenschaftlich für die medizinische Aufklärung in der Region einsetzt und bereit ist, mit uns zusammenzuarbeiten. Wir besprachen unsere Pläne und stellten schnell fest, dass wir in den gleichen Bereichen tätig sind.

In den darauffolgenden Tagen führte uns Dr. Prince zu weiteren Kliniken in der Umgebung, wobei der Zustand der Einrichtungen stark variierte. Bei jedem Besuch erstellten wir eine detaillierte Kartei der Kliniken, die Informationen über den wichtigsten Bedarf der jeweiligen Einrichtungen enthielt. Insgesamt konnten wir sechs Kliniken erfassen, die Unterstützung benötigen. Für jede Klinik haben wir nun eine Liste der fehlenden Geräte und Materialien und werden diese Informationen nach Deutschland mitnehmen, um gezielt Spenden zu organisieren.

Der Besuch der Kasoa Polyclinic, die wir am letzten Tag der Reise aufsuchten, war das Highlight. Hier konnten wir endlich die dringend benötigten medizinischen Materialien übergeben, die wir Ende letzten Jahres verschickt hatten. Es war berührend zu sehen, wie sich die Klinik weiterentwickelt hat: Von anfänglich nur drei Betten in der Notaufnahme sind nun neun Betten vorhanden, und die Ausstattung hat sich deutlich verbessert. Dennoch bleiben viele Bereiche unterversorgt, insbesondere der Kreißsaal, der dringend einen gynäkologischen Stuhl und ein funktionierendes Sterilisationsgerät benötigt. Die Klinik plant, sich zu erweitern und eine Kinderstation sowie einen OP-Saal einzurichten, aber auch hier fehlen noch sämtliche Materialien.

Neben den Besuchen der Kliniken und den Gesprächen mit den Menschen vor Ort haben wir auch die Schulen besucht, an denen die ersten Schulungen stattfinden sollen. Der Bedarf an Gesundheitsaufklärung und Unterstützung ist enorm. Die schulische Ausbildung kostet Eltern viel Geld, was sich an anderer Stelle zeigt – die meisten Kinder sind nicht versichert, medizinische Leistungen müssen selbst bezahlt werden. Wir planen zusammen mit den Schulen die Einführung von Versicherungsmöglichkeiten. In Gesprächen mit den Lehrern wurden neue Termine für die Schulungen nach den Osterferien vereinbart, und wir konnten genau herausfinden, welche Themen besonders relevant sind. Die Lehrer unterstützen uns nun in der Ausarbeitung der Konzepte, sodass wir diese auch direkt mit ihnen zusammen ausführen können.

Während der Besuche in lernten wir auch von den Herausforderungen, mit denen die Schulen in Ghana zu kämpfen haben. Besonders spannend war ein Gespräch mit einer Mutter, deren Sohn mit körperlichen Behinderungen geboren wurde. Sie hatte mit vielen Schulen zu kämpfen, um einen Platz für ihren Sohn zu bekommen – eine Situation, die wir nicht unbeachtet lassen können. Wir möchten diese Geschichte in unser Projekt aufnehmen und darüber nachdenken, wie wir eine langfristige Inklusionsstrategie für Kinder mit Behinderungen entwickeln können.

Was ich auf dieser Reise gelernt habe? Dass nicht immer alles nach Plan läuft – und das ist in Ordnung. Manchmal führt uns das Leben auf Umwege, die uns nicht nur zu neuen Lösungen bringen, sondern auch zu unerwarteten Begegnungen und wertvollen Erfahrungen. Auch wenn wir nicht alles erreicht haben, was wir uns vorgenommen haben, so wissen wir, dass jeder Schritt, den wir in Ghana getan haben, einen Unterschied macht.
Wir sind wieder zurück in Deutschland und planen bereits die nächsten Schritte. Flüge für Mai sind bereits gebucht, und wir brauchen weiterhin dringend Spendengelder und Sachspenden, um die Krankenhäuser und Schulen zu unterstützen. Eines ist sicher: Die Reise hat uns mehr gelehrt, als wir je erwartet hätten, und wir sind dankbar für die Chance, mit all diesen wunderbaren Menschen zusammenzuarbeiten.

Im Interview spricht Dr. Prince über die herausfordernden Arbeitsbedingungen in der Bethel Clinic – es fehlt an fast allem: Nahtmaterialien, Notfallmedikamenten und grundlegenden Geräten wie einem Defibrillator. Trotz dieser Engpässe setzt er sich leidenschaftlich für die medizinische Aufklärung in der Region ein. Das Gespräch führt Jessica, Video: Privat.

Text: Jessica Matyssek